Das Jahrhunderthochwasser Juni 2013

und die Langenamminger Feuerwehr

Die kritischste Stelle in der Region war der Deich in Ruckasing
Die kritischste Stelle in der Region war der Deich in Ruckasing

Die Jahrhundertflut in Ostbayern Anfang Juni 2013 war die größte Naturkatastrophe, die die Feuerwehr Langenamming in ihrer über 100-jährigen Vereinsgeschichte zu bewältigen hatte. 38 Wehrler und 3 Jugendliche leisteten 796 Stunden und waren an vierzehn Tagen (achtzehn Technische Hilfeleistungen) in den Katastrophengebieten im Landkreis Deggendorf im Einsatz. Am Donnerstag, 30. Mai 2013, setzten starke, über Tage andauernde Regenfälle ein. Zunächst sah es so aus, als ob sich die Katastrophe hauptsächlich in Passau abspielen würde. Die Lage in der Dreiflüssestadt wird von Tag zu Tag schlimmer. Am Montag, 3. Juni, erreicht der Pegel dort einen historischen Stand von 12,89 Metern. Die Menschen müssen ihre Häuser verlassen, das Leben in Passau ist lahmgelegt. Auch im Landkreis Deggendorf spitzt sich die Lage zu. Die Stadtteile Fischerdorf, Natternberg-Siedlung, Mettenufer, Altholz und Scheuer müssen am Dienstag, 4. Juni, evakuiert werden. Bei Winzer bricht der Donaudeich auf einer Länge von 500 Metern. Ein Damm oberhalb von Niederalteich hat Risse und droht zu brechen. 1800 Personen werden evakuiert. Die Feuerwehr Langenamming ist in Osterhofen in Niederalteich und in Fischerdorf pausenlos im Einsatz. Verteilt Sandsacke, pumpt Keller aus, hält Dammwachen. Leiter unserer Einsätze ist Langenammings Kommandant Josef Eineder. Er mobilisiert und koordiniert die Amminger Wehr, spricht sich mit den anderen Wehren ab. Auch Bundeswehr und Technisches Hilfswerk sind im Einsatz. Die Einsatzkräfte gehen an ihre Grenzen, stellen Beruf- und Privatleben zurück, schlafen wenig. Nicht nur in Langenamming heulen mehrmals am Tag die Sirenen. Am Donnerstag, 6. Juni, steht das Hochwasser vor Osterhofens Toren. In Ruckasing droht ein Damm zu brechen. Der Ort selbst sowie die Ortschaften Mahd, Polkasing, Endlau, Arbing, Gramling, Schnelldorf, Herzogau, Künzing nördlich der B8, Roßfelden, Langburg und der Weiler Moos werden evakuiert. Landwirte bringen ihre Tiere in Sicherheit. Evakuierte Bewohner können in der Osterhofener Dreifachturnhalle schlafen. Das Gebiet um Deggendorf ist heillos versunken.

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Die Autobahnen A3 und A92 sind gesperrt. Der Verkehr verlagert sich auf kleine Straßen, auch Langenamming ist stark frequentiert. Die Langenamminger Feuerwehr beschließt, das für den 2. Juni geplante Dorffest abzusagen. Auch die für den 9. Juni angesetzte Ersatzveranstaltung wird gestrichen. Am 27. Juli nimmt eine Abordnung an einem Helferfest in der Deggendorfer Stadthalle teil. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe wird erst Wochen danach sichtbar, als das Wasser zurückgeht. Besonders in Fischerdorf und Passau stehen viele Menschen vor dem Nichts. Die Politik versucht, mit finanziellen Hilfen den Opfern unter die Arme zu greifen. Doch das Geld reicht hinten und vorne nicht. Mindestens genauso schlimm wie die materiellen Schäden sind die seelischen. Viele Betroffene sind traumatisiert, können die schlimmen Bilder nur schwer vergessen. Das Jahrhunderthochwasser hat alles Vorstellbare übertroffen. Für die Amminger Wehrler war es ein noch nie dagewesener Einsatz. Zu sehen, was die Flut angerichtet hat, war selbst für „gstandene“ Feuerwehrmänner schlimm und atemraubend. Die Amminger Einsatzkräfte wurden angetrieben von einer Gemeinschaft, die trug und stark machte. Unbedingt erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang auch die gute fachliche Ausbildung der Amminger Einsatzkräfte. Ohne das nötige Wissen, das wir uns in vielen Übungen und Kursen angeeignet haben, hätten wir nicht bestehen können. Allen, die uns in dieser Katastrophe unterstützt haben, ist ein großes Dankeschön auszusprechen.