Kommandantenfortbildung

Haben die Sandsäcke ausgedient?

Feuerwehr informiert sich über neue Hochwasserschutzsysteme – Zylinder aus Kunststoffplatte wird mit Wasser gefüllt

“Hochwasserschutz mit Sandsäcken ist zu aufwendig und zu personalintensiv, das muss schneller gehen”, spricht Kreisbrandmeister Xaver Altschäfl aus der Erfahrung mit der Hochwasserkatastrophe im letzten Jahr, bei der Tausende von Sandsäcken gefüllt und verbracht werden mussten. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Hochwasser der Kreisfeuerwehr, die sich aus genannten Gründen derzeit nach Alternativen zu Sandsäcken umsieht. Am Donnerstag, 20 Februar 2014, stellte eine Firma aus Nordrhein-Westfalen ihr System im Feuerwehrgerätehaus in Deggendorf vor, am Dienstag soll es eine zweite Veranstaltung in Osterhofen geben. Kreisbrandrat Alois Schraufstetter begrüßte den Referenten Prof. Reinhard Ries, der zusammen mit seinem Vater das “Aquariwa”-System entwickelt hat. Mit dabei hatte er auch seinen Geschäftsführer Jochen Wagner. Prof. Reinhard Ries, selbst Branddirektor bei der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main, kennt die Problematik bei den Sandsäcken. “Die Benutzung ist zu aufwendig, zudem ist eine Sandsacklinie nicht dicht. Für größere Aktionen sind Sandsäcke eigentlich nicht geeignet.” Seit gut drei Jahren überzeugt das Aquariwa-System bei zahlreichen Tests und ersten Einsätzen. Sein System sei so einfach wie genial, ist sich Ries sicher. Grundelement ist eine glasfaserverstärkte Kunststoff-Platte, die Platz sparend gelagert und transportiert werden kann. Vor Ort ist das System schnell und einfach aufgebaut: Die Platte wird zu einem Zylinder zusammengerollt, ohne Werkzeug verriegelt und aufgestellt. In das Gefäß wird eine Plastikfolie gestülpt, die mit Wasser gefüllt wird. Ein Netz am Boden des Zylinders verhindert ein Verrutschen, egal auf welchem Untergrund. Nach dem Einsatz ist das System ebenso schnell wieder abgebaut. Man bekämpfe Wasser mit Wasser, erklärt Ries. Mit Pumpen oder Schläuchen werden die Zylinder befüllt, dabei ist auch Flutwasser verwendbar. Schnell seien die Zylinder durch das Gewicht unverrückbar. Die Zylinder werden dicht an dicht gestellt. Sind sie befüllt, drücken sie sich aneinander – und sind dadurch auch in den Zwischenräumen dicht. Legt man außerdem noch eine Folie über die Zylinder, verschließen sich Lücken zusätzlich durch die Haftreibung. Ein Zylinder ist 1,20 Meter hoch, bis zu 0,90 Meter Wasserhöhe seien sie absolut dicht. “Mit jedem Zylinder werden bis zu 300 Sandsäcke ersetzt”, stellte Jochen Wagner einige Zahlen vor. Während die Sandsäcke nach einem Einsatz meist weggeschmissen werden müssen, seien die Platten wieder verwendbar. Zudem seien sie nicht so kostenaufwendig wie Sandsäcke: “Schon beim ersten Hochwassereinsatz hat man eine Ersparnis gegenüber den Sandsäcken.” Ries wies darauf hin, dass die Zylinder auch in anderen Einsatzbereichen verwendbar seien. Man könne die Platten zu Becken zusammenbauen und Löschwasservorräte schaffen. Die Zylinder könnten als Lagerbehälter für verschmutztes Wasser dienen oder für Deckenbelastungstests verwendet werden. Die Feuerwehrmänner überzeugten sich im Anschluss an den Vortrag im Hof selbst davon, wie schnell die Zylinder aufgebaut sind. Ries und Wagner führten die Benutzung bei drei Zylindern vor. Das System überzeugte die Feuerwehrmänner, wenn auch mit Einschränkungen. “Auf manch schmalen Deichkronen sind die Zylinder mit einem Meter Durchmesser einfach zu breit”, meinte etwa KBM Stephan Wagner. Alternativen zu Sandsäcken müssen allerdings her, meinte Xaver Altschäfl, am besten mehrere. Je nach Einsatz könne man entscheiden, welches System am sinnvollsten sei.